Achtsames Hatha-Yoga

Yoga-Übung im Freien

Yoga ist ein sehr altes, ganzheitliches Übungssystem aus Indien. Es hilft, Körper, Geist und Seele ins Gleichgewicht zu bringen und kann auch als „Einheit“ und „Harmonie“ übersetzt werden. Aber Yoga hat seine Wurzeln nicht nur – so wie oft gedacht wird – im Hinduismus.

Der deutsche Indologe und Buchautor Georg Feuerstein schreibt in seinem Buch „Die Yoga-Tradition“ an über 40 Stellen über Wurzeln des Yoga in der Lehre des Buddhas. Über das Entstehen des Yogas schreibt er sogar, dass das Hatha-Yoga wahrscheinlich zuerst im Buddhismus entstanden ist.

Es gibt viele Arten und Wege, Yoga zu praktizieren. Dabei geht es immer darum, die verschiedenen Lebensaspekte von Körper, Geist und Seele auszugleichen und in ihre ursprüngliche Harmonie zu bringen.

„Der Weg des Yoga ist einzigartig. Yoga ist einzig und alleine eine Erfahrung, und die muss man erleben, um sie zu kennen.“

Patanjali

Was ist Hatha-Yoga?

Die bekannteste Yogaform ist der Hatha-Yoga. Er besteht vor allem aus Körperübungen, so genannten Asanas, in denen jeweils bestimmte Bereiche des Körpers gelockert und gedehnt, andere wiederum gestärkt werden. Diese Form des Yoga dient vor allem dazu, deinen Körper zu kräftigen und gesund zu erhalten, und ihn von Blockaden zu befreien, sodass die Lebensenergie besser fließen kann.

Zu „wirklichem“ Yoga wird Hatha-Yoga erst durch die Integration von Meditation und Achtsamkeit. Während du die Übungen durchführst, wirst du angeleitet, die Haltung der Achtsamkeit einzunehmen. Diese Form des Yoga wird Achtsamkeitsyoga genannt. Du nimmst den Körper von einem Augenblick zum anderen in dem Zustand an in dem er sich gerade befindet. Während du dich dehnst, streckst oder ausbalancierst und dabei zugleich die Aufmerksamkeit von Augenblick zu Augenblick aufrechterhälst, lernst du mit den eigenen Grenzen zu arbeiten. All dies geschieht in Geduld. Während du z.B. in einer Dehnungsposition behutsam an deine Grenzen gehst, übst du dich darin, an dieser Grenze atmend zu verweilen. Statt dich überhaupt nicht zu fordern oder dich zu überfordern, bewegst du dich so in einem Bereich kreativer Körpererfahrung. Diese Praxis unterscheidet sich grundlegend von zahlreichen Yogakursen, bei denen die körperliche Aktion im Vordergrund steht und die Betonung darauf liegt Fortschritte zu machen.

Achtsamkeitsyoga

Im Achtsamkeitsyoga übernimmst du während der Übungen bewusst die Verantwortung für die Signale des eigenen Körpers. Du achtest darauf wie er reagiert, respektierst seine Botschaften und übst stets eher etwas Zurückhaltung. Wenn es dir um Heilung und innere Reifung geht musst du lernen eigenverantwortlich auf deinen Körper zu hören. Jeder muss seine eigenen Grenzen kennenlernen.

Durch die achtsame Körperarbeit wird es dir möglich sein, deine Wahrnehmung noch intensiver zu schulen und Erfahrungen besser zu verstehen und du lernst damit umzugehen. Es ist darum wichtig, den Körper in deine Arbeit zur Beruhigung und Schulung des Geistes mit einzubeziehen. Jede Erfahrung, die du im Laufe deines Lebens machst hinterlässt ihre Spur in deinem Körper.

Wir verbinden auch immer wieder Ereignisse, ob angenehmer oder auch unangenehmer Art, mit Empfindungen, die sich auf unseren Körper beziehen, wie z.B. „das schlägt mir auf den Magen“ oder „da lacht mein Herz“. Wenn wir ganz achtsam beobachten, können wir alle unsere Empfindungen mit einer Regung im Körper bzw. einem Körperteil in Verbindung bringen.

Wer sich im Yoga übt wird von Schmerz und Kummer befreit. Er lebt sein Leben in ganzer Fülle und echter Freude.

Iyengar

„Was gerade im Körper passiert“

Die Körperarbeit ist nichts anderes als ein ‚hinsehen’ und ‚hineinhören’ und wahrnehmen, was im Körper gerade passiert. Dies kann helfen mit den unangenehmen, schmerzhaften Erfahrungen besser zu leben. Yoga-Übungen in Verbindung mit Achtsamkeit bilden die Vorbereitung zur Meditation. Diese Übungen, verbunden mit der natürlichen Atmung, tragen zur Kräftigung des Körpers und zur Einheit von Körper und Geist bei.

Wir lassen uns vom Atem führen, nehmen unsere Grenzen bewusst wahr und gehen nur soweit wie es uns in dem Moment gerade möglich ist. Es gilt auch hier, gleich wie bei der Sitzmeditation, einfach wahrzunehmen ohne zu urteilen und nichts erreichen zu wollen.

„Der Großteil einer Yogastunde besteht aus sanften, vom Atem geführten Körperübungen, gefolgt von einer jeweils 10-minütigen Endentspannung und einer 10 bis 15-minütigen Sitzmeditation. Der Geist wird frei und gleichzeitig werden Körper und Geist erfrischt.“

Diese Form von Yoga richtet sich an alle Altersgruppen und setzt keine Vorkenntnisse voraus.