Wissen was du erlebst, während du es erlebst

Selbst-Mitgefühl

Die Vergangenheit ist eine Ansammlung von mehr oder weniger verschwommenen Bildern in unseren Köpfen. Die Zukunft ist bloße Vermutung und Projektion. Wenn wir stets in Gedanken schon zwei Schritte im Voraus leben oder um Erinnerungen kreisen verlernen wir an dem einzigen Ort zu sein wo wir unser Lebendig sein erfahren können nämlich im Hier und Jetzt.

Nur in der Gegenwart können wir mit uns selbst in Kontakt kommen – mit unseren Verwundungen ebenso wie mit unserer Weisheit und mit unseren Potenzialen an Heilung und Entwicklung. Die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart zu lenken ermöglicht es, sich als ganz lebendig zu erfahren. Dies eröffnet Quellen von Kraft und Freude, die zuvor unbemerkt und nicht zugänglich waren.

Du kennst wahrscheinlich auch einen Mangel an Achtsamkeit aus deinem Alltag. Du fährst zum Beispiel mit dem Auto oder Fahrrad eine bekannte Strecke und dir fällt plötzlich auf, dass du den letzten Kilometer ganz automatisch zurückgelegt hast ohne es wirklich zu merken. Oder du hast den Herd ausgeschaltet, bist dir dessen aber nicht mehr sicher, da auch diese Handlung ablief, während du in Gedanken mit etwas ganz anderem beschäftigt warst. Wir können diesen unbewussten Zustand den Autopilotmodus nennen. Das geschieht natürlich nicht nur bei äußeren Vorgängen.

 

„Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder.“

Henry David Thoreau

Aufblitzen von Achtsamkeit

Kennst du Situationen, in denen du automatisch in ein bestimmtes Gefühls- oder Verhaltensmuster hineinfällst? Der Moment, in dem du das erkennst, ist – ähnlich wie bei der erwähnten Autofahrt – ein Aufblitzen von Achtsamkeit. Durch Übung kannst du lernen, häufiger und vor allem früher aufzuwachen und den Autopiloten abzuschalten. Je früher das geschieht, desto bessere Chancen hast du, bewusst zu entscheiden, wie du handeln möchtest.

Achtsamkeit ist eine gesteigerte Form von der Aufmerksamkeit, die wir auch für alltägliche Verrichtungen benötigen. Achtsam zu sein bedeutet, voll und ganz bei dem zu sein, was wir gerade empfinden und womit wir uns beschäftigen. Es bedeutet, mit uns selbst in Kontakt zu sein.

Die Übung der Achtsamkeit weckt und stärkt die heilenden und wissenden Anteile, die jeder Mensch in sich trägt.

Bewusst wahrnehmen

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, all das, was gerade in diesem Moment geschieht, bewusst wahrzunehmen – ohne zu bewerten oder etwas daran verändern zu wollen.
Achtsam sein ist ein wohlwollendes Beobachten dessen, was gerade in uns auftaucht. Es beinhaltet ebenso, nichts zu verdrängen, sondern sich der Erfahrung des Augenblicks zu öffnen wie auch immer dieser gerade aussieht.
Dies kann ein Gedanke, ein Gefühl, eine Körperempfindung oder auch ein Geräusch sein, es kann angenehm oder auch unangenehm sein. Durch das bewusste Wahrnehmen dessen, was gerade geschieht, ist es möglich automatisierte Reaktionsmuster zu erkennen, die häufig Ursache für Stress sind, und langfristig zu verändern.
Erfahrungen von Klarheit, Gelassenheit und körperliche Ausgeglichenheit können so erneut ihre positiven Wirkungen in uns entfalten.

Die positiven Effekte auf die Gesundheit konnten in wissenschaftlichen Studien eindeutig nachgewiesen werden. Es konnten langfristig positive Wirkungen auf chronische Schmerzzustände, Kopfschmerz und Migräne sowie bei Schlafstörungen nachgewiesen werden. Regelmäßige Achtsamkeitsübungen verbessern außerdem die Funktion des Immunsystems. Auch Angstzustände und die Rückfallquote bei Patienten mit Depressionen konnten durch ein Training in Achtsamkeitsmeditation signifikant reduziert werden.

„Der gegenwärtige Augenblick, das Jetzt, ist der einzige Augenblick, in dem wir wirklich leben. Vergangenes ist vorüber, Zukünftiges noch nicht geschehen. Nur die Gegenwart steht uns zum Leben zur Verfügung.“

Jon Kabat-Zinn

MBSR nach Jon Kabat-Zinn

Die vom Verhaltensmediziner und Meditationslehrer Jon Kabat-Zinn wissenschaftlich untersuchte Methode der „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ – kurz MBSR genannt – zeigt einen pragmatischen, alltagstauglichen Weg, die Fähigkeit, achtsam zu sein, wieder zu erlernen. Dadurch kannst du Stress effektiv reduzieren, deine Gesundheit unterstützen und das eigene Leben ins Gleichgewicht bringen.
Der US-amerikanische Hirnforscher Richard Davidson hat darüberhinaus festgestellt, dass durch regelmäßige Achtsamkeitsmeditation eine deutlich gesteigerte Aktivität in den Hirnbereichen festgestellt wird, die für positive Emotionen wie Liebe, Freude und Zufriedenheit zuständig sind.